Wo viele Menschen zusammen kommen, ist Wein, Geselligkeit und der eine oder andere appetitliche Happen selten fern. Bei den Fressmeilen-Feiern moderner Großstädte ist es oft sogar anders herum. Sie gelten quasi als Traumschiff-Light Ausgabe für alle, die einmal ein klein wenig an der Sternschnuppen-Küchentür kratzen möchten. Und sich anschließend wieder schnell an Muttern’s Herd wünschen.
In Bochum ist das nicht anders als andernorts auch. Wie an der Perlenschnur aufgezogen präsentiert sich hier die lokale Küchenszene alljährlich unter dem Motto “Bochum kulinarisch” im lässigen Stile fernsehbekannter Küchenbullen und Kochprofis. Aufgefahren wird, was der Großmarkt nur hergibt und was vom Namen so richtig etwas hermacht. Hummer trifft Stopfleber, Sashimi begegnet glasierter Flugentenbrust. So weit so schön.
Nun ist das Ruhrgebiet nicht gerade das Mekka jahrhundertealter Esskultur, aber immerhin ein gewachsener Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Einflüsse. Insofern ist die internationale Küche, die hier zumindest in Teilen aufgefahren wird, schon an der richtigen Adresse. Ein wenig mehr Bodenständigkeit würde der Sache dabei aber sicher besser entsprechen. Denn die Besucher der kulinarischen Meile sind mit den komplizierten Speisen nicht selten ebenso überfordert, wie die vielen Klein-Olivers und Mini-Mälzers hinter den Herdplatten. Gut, dass es da wenigstens noch das grundsolide Bochumer Fiege-Pils zum Herunterspülen gibt.
Der Verfasser dieser Zeilen hatte in diesem Jahr das Vergnügen einen kanadischen Hummer zu “genießen”, dessen Konsistenz einem alten Fahrradschlauch gleichkam und der auch rein optisch eher an einen Küchenunfall als an eine Spitzenpräsentation erinnerte. Denn hinter dem zarten Wort “entschalt” verbarg sich offenbar unumgänglich eine Präparation des Schalentiers, die jedem Essen-auf-Rädern Dienstleister zur höchsten Ehre gereicht hätte. Dabei habe ich nicht schlichtweg Pech gehabt, da das Niveau meines Tellers in keiner Weise vom beobachteten Rest abwich.
Vielleicht liegt es am desaströsen Lobster, vielleicht an meiner generellen Garstigkeit, wenn ich Veranstaltungen wie “Bochum kulinarisch” am Liebsten aus der Stadt katapultieren würde. Gute Restaurants haben sich in dieser Stadt schon immer nur sehr schwer durchsetzen können. Sie müssen nun nicht gleich alle auf einmal und auch noch an einem zentralen Ort beweisen, warum das so ist. Das schadet den wenigen, die wirklich etwas zu bieten haben. Und der Bochumer an sich, kommt doch mit Fiege und Dönnighaus bestens zurecht. Warum dann nicht alternativ eine Fressmeile zu Ehren der Currywurst? Und für den internationalen Touch noch ein paar Dönerstände anbei. Mahlzeit.